Ford schreibt Geschichte

100 Jahre Ford: Das Fließband hat alles ins Rollen gebracht. Seit nunmehr über 100 Jahren
besteht die Ford Motor Company - und blickt auf eine Geschichte mit Höhen und Tiefen zurück.
Immer verbunden mit dem Namen des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt
bleibt die Erfindung des Fließbandes.

Firmengründer und Familienpatriarch Henry Ford hätte es sich vor 100 Jahren sicher nicht träumen lassen, dass in dieser Zeit weltweit mehr als 300 Millionen Ford-Modelle verkauft werden. Das Unternehmen ist - trotz derzeit wieder einmal schweren Fahrwassers - nach General Motors der zweitgrößte Automobilkonzern der Welt und setzt jährlich rund sieben Millionen Autos ab. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei mehr als 162 Milliarden Dollar (137 Mrd. Euro). Ford beschäftigt weltweit 335.000 Mitarbeiter.

Ebenso erstaunlich ist es, dass mit Bill Ford, einem Urenkel des Gründers, inzwischen die vierte Generation der Ford-Familie nach einem Zwischenzeit mit Fremdmanagern von etwa zwei Jahrzehnten die Führung bei dem Großkonzern übernommen hat. Die Ford-Familie kontrolliert das Unternehmen mit ihren mit besonders hohen Stimmrechten ausgestatteten Aktien noch immer zu rund 40 Prozent. Die Geschichte des Unternehmens ist von Höhen und Tiefen geprägt. Das traditionsreiche Automobilimperium stand mehrfach am Rand des Abgrunds.

Der Tüftler und Techniker Henry Ford hatte das Unternehmen mit elf anderen Investoren und einem bescheidenen Anfangskapital von 28.000 Dollar am 16. Juni 1903 in einer alten Waggonfabrik in Detroit gegründet. Jahrelang drängten ihn seine Mitaktionäre auf den Bau luxuriöser Autos für reiche Amerikaner. Henry Ford träumte hingegen von einem billigen und zuverlässigen Auto für die breite Masse. Sein "Universal-Auto" wurde das T-Model, das er 1908 vorstellte. Es wurde sofort zum Bestseller.

Ford führte 1913 als erster Automobilunternehmer das Fließband ein und verdoppelte bald darauf die Löhne seiner Arbeiter, zum Gespött der Konkurrenten, auf fünf Dollar pro Tag. Ford konnte mit Hilfe der kostengünstigeren Produktion die Preise dramatisch senken und heizte gleichzeitig den Autoabsatz weiter an.

Beispiellose Erfolgsserie
Es folgte eine beispiellose Erfolgsserie mit ständig neuen Produktionsrekorden und einem Gesamtabsatz von mehr als 15 Millionen T-Model Autos bis 1927. Allerdings hatte Henry Ford es versäumt, rechtzeitig für Nachfolgemodelle zu sorgen. Die immer härtere Konkurrenz von General Motors und Chrysler, die lange und schwere Rezession der 30er Jahre und stark rückläufige Absatzzahlen brachten Ford bis zum Zweiten Weltkrieg stark in Bedrängnis. Ford hatte aber zwischenzeitlich auch weltweit Autofabriken gebaut und Tochterfirmen gebildet.

Formell hatte Edsel Ford, der einzige Sohn des Firmengründers, die Gesellschaft seit 1919 geführt, doch hatte Henry Ford in Wirklichkeit weiter das Sagen. Er übernahm dann 1943 nach dem Tod von Edsel wieder die Führung. Im Zweiten Weltkrieg produzierte Ford 8.600 B-24-Bomber, 57. 000 Flugzeugmotoren und mehr als 250.000 Militärfahrzeuge.

1945 übernahm der Ford-Enkel, Henry II., die Geschäfte. Die Gesellschaft war schwer angeschlagen und verlor jeden Monat mehrere Millionen Dollar. Der neue Mann holte sich junge Manager in die Konzernzentrale, die dringend benötigte moderne Managementmethoden einführten. Henry Ford II. verschaffte dem Konzern mit Erfolgsmodellen wie dem Thunderbird und dem sportlichen Mustang hohe Gewinne. Er expandierte weltweit rasant.

Große Expansion
Dann begann der massive Vorstoß der Konkurrenten aus Europa und Fernost wie Volkswagen, Toyota, Honda und Nissan. Sie machen Ford ebenso wie GM und Chrysler das Leben noch immer sehr schwer. Henry Ford II. gab 1979 die Führung des Konzerns an Fremdmanager ab. Ford expandierte durch den Kauf von Aston Martin, Jaguar, Volvo und Land Rover, eine Beteiligung an Mazda und durch die Übernahme des weltgrößten Autovermieters Hertz.

Bill Ford wurde am 1. Oktober 2001 Unternehmenschef, nachdem der in Ungnade gefallene Jacques Nasser ausgebootet worden war. Ford erbte von Nasser ein Unternehmen, das in den vergangenen zwei Jahren mehr als sechs Milliarden Dollar Verluste ausgewiesen hatte. Der neue Träger des Familienbanners will den Ford-Konzern wieder auf Vordermann bringen und Mitte des Jahrzehnts Vorsteuergewinne von sieben Milliarden Dollar verbuchen.